US-Präsidentschaftswahl 2020: Der Kampf um das Weiße Haus in Social Media

Ein Wähler füllt den Wahlzettel in einer Wahlkabine aus mit der USA Flagge
Ein Wähler füllt den Wahlzettel in einer Wahlkabine aus mit der USA Flagge

Die Rolle der sozialen Medien in der US-Politik - und insbesondere bei den Präsidentschaftswahlen - ist unbestreitbar.

Angesichts der aktuellen globalen Pandemie, die die Kandidaten zwingt, zu überdenken, wie sie politische Kundgebungen durchführen, die Unterstützung der Wähler gewinnen und sogar Gelder aufbringen, sind die sozialen Medien zu einer unschätzbaren Ressource sowohl für die republikanischen als auch für die demokratischen Kampagnen geworden. Politiker haben Social Media (im Guten wie im Schlechten) angenommen, weil sie eine Plattform für virtuelles Engagement bieten.

Hier findet ihr einen Beitrag dazu, wie Social Media die Politik beeinflussen.

Wähler wenden sich in erster Linie an Social Media Plattformen, um Nachrichten über jeden Kandidaten zu erhalten, die Debatten über Live-Streams zu verfolgen und ihre eigenen politischen Ansichten mitzuteilen. Mit Hilfe von Social Media Analysen können unzählige aktuelle Stimmungen gesammelt werden, die sachdienliche Fragen aufwerfen.

Social Media Analysen zu den US-Präsidentschaftswahlen

Analyse der Social Media Erwähnungen der Kandidaten

Dem Umfang der Berichterstattung in den sozialen Medien nach zu urteilen - sei es im positiven oder negativen Sinne - ist das derzeitige Landesoberhaupt Amerikas sicherlich in aller Munde und in allen Köpfen. Trump wird in den Medien fast viermal häufiger erwähnt als Biden. Volumen zählt in den sozialen Medien, weil es für die Vermittlung einer Botschaft während der Wahlen wichtig ist, um erzählerisch relevant zu bleiben.

Weniger als zwei Wochen vor dem letzten Wahltag lenken die Internet User bereits die Aufmerksamkeit auf die Staaten, die bei der Entscheidung über die Präsidentschaftswahlen eine Schlüsselrolle spielen werden - die sogenannten Swing States. Über beide Kampagnen hinweg haben die Bundesstaaten Wisconsin und Florida in den sozialen Medien und Foren weiterhin für Gesprächsstoff gesorgt. Viele Analysten haben darauf hingewiesen, dass der Sieger im Bundesstaat Florida historisch gesehen ein guter Indikator für den zukünftigen Präsidenten ist. Diese Stimmung wurde weitgehend in den Tweets und Foren-Threads widergespiegelt, wodurch der Staat ins Rampenlicht gerückt und noch mehr unter Druck gesetzt wurde.

Die US-Präsidentschaftswahlen erhalten aufgrund ihres internationalen Ansehens zweifellos eine immense globale Aufmerksamkeit. Als Oberhaupt der größten Volkswirtschaft der Welt wird die internationale Diplomatie immer ganz oben auf ihrer Tagesordnung stehen. In den Social Media sind die internationalen Meinungen zu den Wahlen weit verbreitet, wobei das Nachbarland Kanada nicht überraschend die meisten Nennungen beisteuert. Der langjährige Verbündete, das Vereinigte Königreich, behält sein großes Interesse an transatlantischen Angelegenheiten bei, während die strategischen indisch-pazifischen Partner Australien und Indien ebenfalls ein Auge auf den nächsten POTUS werfen. Interessanterweise haben die Menschen in Indien eine Verbundenheit mit der demokratischen Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris, indischer Abstammung, entwickelt, während viele auch Gefalllen an Trumps enger Beziehung mit ihrem Premierminister Narendra Modi finden.

Schlüsselmomente vor der Wahl

1. Bidens & Harris' Nominierungen

Joe Bidens Nominierung als Präsidentschaftskandidat für die Demokratische Partei war für jeden offensichtlich, aber viele freuten sich über die Nominierung seiner Vizepräsidentin. Kamala Harris schreibt als erste amerikanische Frau afrikanischer und asiatischer Abstammung, die als Vize-Präsidentschaftskandidatin nominiert wurde, Geschichte. An diesem Tag gab es in den sozialen Medien mehr als 1,2 Millionen Erwähnungen ihrer Nominierung. Doch trotz der überwältigenden Wertschätzung ihrer Nominierung stellten viele ihre Ansichten über das Polizeisystem und darüber, wie Harris Biden während der Vorwahlen der Demokraten in die Mangel genommen hatte, immer noch in Frage. 

2. Die erste Präsidentschaftsdebatte

Präsident Trump wurde nach der ersten Präsidentschaftsdebatte fast doppelt so oft in Social Media erwähnt wie Biden. Die User konzentrierten sich weitgehend auf einen kontroversen Moment, in dem Präsident Trump sich während der Debatte eklatant weigerte, weiße rassistische Gruppen zu verurteilen. Dieses Top-Thema verzeichnete 170.000 Erwähnungen, fast doppelt so viele wie die Erwähnung von COVID-19. Obwohl Trump also mehr Erwähnungen als Biden hervorrief, waren nicht alle dieser Mentions positiv. Dennoch wurde die gesamte Debatte von der allgemeinen Social Media Community als ein katastrophales Debakel verhöhnt, das voller Unterbrechungen und ständiger Abschweifungen von den Fragen war.

3. Die VP-Debatte

Die Debatte des Vizepräsidenten war definitiv hitzig. Die Spannung zwischen den Kandidaten war offensichtlich, als Harris Pence verwarnte, weil er sie ständig unterbrach. User antworteten mit dem Feuersymbol - dem am häufigsten verwendeten Emoji in den sozialen Medien. Ironischerweise wurde COVID-19 thematisch am häufigsten von Social Media Usern im Zusammenhang mit der VP-Debatte erwähnt. COVID-19 wurde 63.000 Mal erwähnt. Surrealistisch gesehen ging es beim nächsten Thema um eine Fliege, ja, ein Insekt. Eine Fliege nahm auf dem Kopf des republikanischen Kandidaten Platz. Wieder einmal wurde eine Plattform zur konstruktiven Kritik an der Politik der amtierenden Regierung durch ein irrsinniges Insekt abgelenkt.

4. Trumps COVID-Infektion

Zweifellos wurde Trumps COVID-Infektion von dessen Kampagnenteams zu einem wesentlichen Teil der Wahlkampfstrategie verarbeitet. Ein Moment der Schadenfreude brach in den sozialen Medien aus, als User auf Trumps missliche Lage hinwiesen. Die Kommentare reichten von guten Wünschen über Verschwörungstheorien bis hin zur Verachtung für den Ausbruch in Trumps innerem Kreis im Weißen Haus. Es gab mehr als 4 Millionen Erwähnungen an dem Tag, an dem sein Zustand bekannt gegeben wurde. Erstaunlicherweise erklärte Trump selbst, er habe sich innerhalb der empfohlenen zwei Wochen der Isolation erholt. Dies verärgerte die User, die es für unverantwortlich hielten, seinen Zustand als politisches Mittel für die Wahlen auszunutzen. Die Stimmung in den sozialen Medien zeigte, dass die Nutzer ebenso polarisiert waren wie der Präsident selbst.

5. Finale Präsidentschaftsdebatte

Trotz der Verzögerung gab es bei der abschließenden Debatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten eine Reihe von Themen, die in den Social Media Plattformen endlos diskutiert wurden. Wieder einmal dominierte Präsident Trump auf der Grundlage von 623.000 Nennungen. Er nahm das Thema der nationalen Sicherheit und der Außenpolitik in Angriff, trieb seine siegreichen Erzählungen bezüglich des Nahen Osten voran und gab hetzerische Bemerkungen über Bidens enge Beziehungen mit China, Russland und der Ukraine ab. Diese Äußerungen resonierten in den Köpfen der Social Media User, denn im Laufe der Debatte gab es mehr als 518.000 Erwähnungen dieser Themen. Diskutiert wurden auch die Themen COVID-19 und Rassenverhältnisse in den USA mit 457.000 bzw. 342.000 Mentions. Doch auch hier ging Präsident Trump erwartungsgemäß in die Offensive, um Bidens Position zu schwächen.

Von der Ostküste bis zu Kanye West

Florida war in der Vergangenheit ein Vorreiterstaat für Präsidentschaftswahlen. Der Staat hat seit 1996 erfolgreich das nächste Landesoberhaupt gewählt. Die Stimmabgaben des drittgrößten Staates der Nation gelten als ausschlaggebend, die Wahl in die Richtung einer Partei zu kippen, weshalb viele Augen auf die Entscheidungen der Bürger dort gerichtet sind. In den sozialen Medien wurden die Siegchancen der Republikaner mit mehr als 513.000 Nennungen breit diskutiert. Ein Großteil der Debatte konzentrierte sich auf die Wahlbeteiligung im Bundesstaat. Viele schlugen eine Unterdrückungskampagne gegen afroamerikanische Wähler vor, während auch die ältere Wählerschaft im Bundesstaat Aufmerksamkeit erregte.

Im Gegensatz dazu erhielt die Biden-Kampagne rund 358.000 Erwähnungen bezüglich eines siegreichen Wahltags. Es ist jedoch interessant festzustellen, dass eine wichtige Aussage innerhalb dieser Erwähnungen davon handelte, dass Michael Bloomberg dem Kandidaten der Demokraten eine riesige Summe Geld versprach, um den Sieg in Florida zu erlangen. Dies könnte zu einer kontraintuitiven Reaktion der Einwohner Floridas führen, vor Biden zurückzuschrecken, weil die Menschen in einer schwierigen Zeit wie einer Pandemie durch eine 100 Millionen Dollar schwere Medienkampagne abgeschreckt werden könnten.

In einem anderen Bereich der Präsidentschaftswahlen hat Mode-Mogul und Chicagoer Rapper Kanye West sein Versprechen zu kandidieren mit dem Launch seiner Wahlkampf-Website voll und ganz eingelöst. Er rief seine Fans und Anhänger auf, seine Nominierung auf den Wahlzettel zu schreiben, und bezeichnete seine Reise zur Wahl insoweit als religiöse Motivation. Indem er sein Manifest auf biblische Passagen aufbaute, hat West definitiv ein gewisses Interesse der Massen geweckt. Es gab mehr als 520.000 Mentions von Wests unabhängigen Bestrebungen, Amerika im Oktober anzuführen. Die Hauptbotschaft, die über die sozialen Medien verbreitet wurde, war jedoch, dass geglaubt wurde, West würde nur für die Präsidentschaft kandidieren, um Bidens Stimmen zu stehlen und die Trump-Kampagne zu unterstützen.

Jede Stimme zählt

Die öffentliche Meinung ist bei einer Wahl entscheidend. Wähler sind unbestreitbar anfällig für vorherrschende Diskurse in den sozialen Medien. Wenn das Medium die Botschaft ist, sind soziale Medien während einer Wahl ein Pulverfass an Meinungungen. Ausgehend von der schieren Menge an Erwähnungen und Aussagen, die in Foren und Twitter-Feeds zu sehen sind, sitzt Präsident Trump mit Sicherheit am Steuer und sorgt dafür, dass sich die gesamte Aufmerksamkeit um ihn dreht.

Überraschenderweise war Biden bei einer so kritischen und die geschichtlich prägenden Wahl nicht so "proaktiv", was die Dominanz der medialen Aufmerksamkeit in diesem so unberechenbaren Jahr angeht.

In der Trump Kampagne wurde auch hartes Lobbying für grundlegende Themen betrieben, wie z.B. die Förderung der lokalen Industrien und die Rückgewinnung von Arbeitsplätzen. Das Biden-Team hat sich auf umfassendere Probleme des Obersten Gerichtshofs und der Außenpolitik fokussiert. Zwei unterschiedliche thematische Schwerpunkte, über die die Wähler debattieren können. Hier wird ein Kandidat den anderen überschatten. Aber um der Diplomatie und der Zusammenarbeit und vor allem um der Position Amerikas als wichtiger globaler Akteur willen ist dieser Schatten hoffentlich kein langer.