Wie Teenager Social Media nutzen: 8 neue Erkenntnisse

Wie Teenager Social Media nutzen: 8 neue Erkenntnisse

Angela Wiesenmüler
8 Juli 2014

Verblüfft es Sie, wie Teenager die Social Media Kanäle nutzen?  Haben Sie Schwierigkeiten damit, zu folgen, welche sozialen Netzwerke bei den Jugendlichen gerade angesagt sindund warum teenager heute diese und morgen jene Platform zu nutzen scheinen? Damit sind Sie nicht alleine!

Danah Boyd, Autorin des Buches  It’s Complicated – the social lives of networked teens hat auf der diesjährigen SXSW (South by Southwest, eine Fachmesse für Film, Musik und Interaktive Medien- Anm. d. Red.) eine überzeugende Präsentation zum Nutzerverhalten von Teenagern in sozialen Netzwerken gehalten. Von Facebook über Snapchat bis zu Secret zeichnete Danah ein klares Bild davon, was Jugendliche von sozialen Medien erwarten, wie sie diese und die angebotenen Funktionen nutzen und davon, wie schwierig es sein kann, das manchmal doch verwirrende Verhalten der Teenager zu verstehen.
Bei Danahs Präsentation habe ich einige neue Erkenntnisse gewonnen, die ich hier für Sie zusammenfassen möchte.

Facebook ist nicht alles

Teenager heutzutage haben viel weniger Freiheiten als zum Beispiel die sogenannten Schlüsselkinder der Generation zuvor. Heute sind Teenager nach Einbruch der Dämmerung kaum mehr draußen zu sehen. Die Kids von heute (im Besonderen die Kinder aus wohlsituierten Gegenden) haben streng durchstrukturierte Tagesabläufe und überfürsorgliche Eltern. Zudem sind sie weniger mobil und in vielen Vorstädten leben ihre Freunde weit entfernt.
Durch diese Entwicklung verlagerte sich die soziale Interaktion der Jugendlichen viel mehr in soziale Netzwerke, sowohl über PC als auch über Tablets oder Smartphones. Facebook und MySpace waren plötzlich die neuen Treffpunkte. Als dann die Eltern-Generation  Facebook für sich entdeckte wanderten die Jugendlichen zu anderen sozialen Plattformen ab um mehr Privatsphäre zu haben und neue Kommunikationsmmöglichkeiten mit Freunden (oader auch Unbekannten) auszuprobieren.

 SMS-Nachrichten sind entscheidend

Einer der wichtigsten Kommunikationskanäle für Jugendliche ist die SMS-Nachricht. Mobiltelefone ermöglichen es Teenagern weltweit stetig Kontakt miteinander zu halten.Die viel zu teuren Tarife der Mobilfunkanbieter verleiten die teenager dazu, Chat-Applikationen wie WhatsApp zu nutzen. WhatsApp wurde erst vor kurzem für den schwindelerregenden Preis von 16 Mrd. Dollar von Facebook gekauft.Teenager können diese Apps nicht nur kostenlos (oder zu einem sehr niedrigen Tarif) nutzen; die Apps erlauben es auch, sich auf einfache Weise mit einer ganzen Gruppe oder über Ländergrenzen hinweg auszutauschen.
Auch in Zukunft warden SMS-Services eine wichtige Rolle in der Kommunikation Jugendlicher spielen.

Der Selfie-Kult

Das kontinuierliche Teilen von sogenannten Selfies mag zwar als ausgesprochen narzisstisch erscheinen, erfüllt in sozialen Netzwerken aber eine wichtige Funktion. Selfies erzählen Geschichten, in denen die Jugendlichen die Hauptrolle spielen. Diese Fotos fungieren als eine Form der Selbstdarstellung- der Jugendliche selbst veröffentlicht ein Foto, auf dem er sich selbst darstellt, wie er von anderen gesehen warden möchte. Selfies sind ein Ausdruck sozialer Interaktion. Durch das Teilen eines eigenen Selfies motiviert man seine Freunde dazu, wiederum ihre Selfies zu teilen.

Der Wunsch nach Aufmerksamkeit

Fotos auf Instagram oder einem anderen sozialen Netzwerk zu teilen bringt einen gewissen Grad an Aufmerksamkeit mit sich. Trends wie „Tagsforlikes“ auf Instagram, die um ein „Gefällt mir“ von jedem Follower des Hashtags bitten, fördern diesen Wunsch nach Aufmerksamkeit. Apps wie Snapchat, bei der Fotos geteilt warden und dann innerhalb weniger Sekunden wieder verschwinden, verunsichern Eltern. Sie befürchten, dass es sich bei solchen Apps um sogenannte Sexting-Apps handelt. Tatsächlich kann der Erfolg dieser App durch den Wunsch der Jugendlichen nach Aufmerksamkeit erklärt werden. Der Empfänger einer Fotonachricht, die innerhalb weniger Sekunden wieder verschwindet, wird gezwungen, sich dieses Foto aufmerksam anzusehen. Im Vergleich zu Instagram, wo die Nutzer sich schnell durch hunderte von Fotos durch klicken können, muss man bei Snapchat eine Pause machen und seine Aufmerksamkeit diesem Foto widmen, bevor dieses für immer verschwindet.

Das Anti-Archiv

Teenager möchten die moisten Dinge, die sie teilen, nicht archivieren. Oftmals woollen sie aktuelle Witze, Memes und Fotos, denen lediglich in diesem Moment Bedeutung beigemessen werden kann,teilen. Im Gegensatz zu Facebook oder Google Glass zeichnet Snapchat nicht alle Aktivitäten auf oder legt ein Archiv der Mitteilungen an. Snapchat erlaubt zeitnahes Teilen ohne diese Akitvitäten für immer zu archivieren.
Es besteht also kein Risiko, dass Eltern, freunde, Feinde oder zukünftige Arbeitgeber dieses Archiv durchsuchen und dsich so eine Meinung bilden oder dieses Archiv gegen den Teenager verwenden können.

 Medien, einfach und schnell zu bearbeiten

Teenager woollen Ihre Kreativität ausleben und dafür nicht auf komplizierte Programme zurückgreifen müssen. Sie nutzen Apps wie bspw. Vine (und Meme Generator). In Zukunft wird die Handhabnung von Apps mit Hinblick auf Jugendliche einfach gestaltet werden. So soll es Jugendlichen ermöglicht werden, sich auszuprobieren und von unterwegs über das Smartphone zu teilen.

Die Macht (und Gefahr) der Secrets

Seiten wie Secret und Whsiper geben Nutzern die Möglichkeit, anonym zu posten und gleichzeitig auch die Geheimnisse, Fantasien und die Klatschgeschichten anderer Nutzer zu sehen. Das kann aufregend und geheimnisvoll erscheinen. Nicht zu wissen, wer was schreibt und welcher Teil der Geschichte wahr ist vergrößert das Interesse. Anbieter wie zum Beispiel Ask.fm bieten die Möglichkeit zu anonymen Frage und Antwort Spielen. Oftmals kommt hier die dunkle Seite eines Nutzers zum Vorschein. Die Nutzer untereinander werden in vielen Fallen auch ausfällig und gemein.
An diesen Verhaltensmustern lässt sich aber noch viel mehr erkennen. Eine Studie zeigte zum Beispiel, dass Nutzer von Formspring, einer weiteren Frage-und Antwort- Seite, sich selbst als anonymer Nutzer gemeine Fragen stellten und diese wiederum unter ihrem Nutzernamen beantworteten. Warum macht man so etwas? Es stellate sich heraus, dass Freunde der Nutzer, die diese negative Kommentare oder gemeinen Fragen auf dem Nutzerprofil sahen does,. und somit auch der dahinterstehenden Person, wesentlich mehr Aufmerksamkeit entgegenbrachten und den Nutzer auf der Plattform unterstützen. Das Fragen und Beantworten gemeiner Fragen über sich selbst war also nur eine Mittel um Aufmerksamkeit zu erlangen.

 Lernen ein Teil der Gesellschaft zu sein

Soziale Netzwerke eröffnen Teenagern einen neuen Raum zum „abhängen“ und ersetzen somit die unbekümmerte Freizeit vorhergehender Generationen. Für Teenager bieten soziale Netzwerke eine Plattform, über die Aufmerksamkeit und Anerkennung der Gesellschaft generiert wird, die es den Teenagern ermöglicht uneingeschränkt neugierig zu sein, sich auszuprobieren, all ihre Sorgen und Geheimnisse und die neusten Neuigkeiten zu teilen. Außerdem ermöglichen die Netzwerke es, mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt zu treten, auch mit solchen, die man im realen Leben möglicherweise nicht so einfach kennen lernen würde.
Soziale Netzwerke sind heutzutage nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken und Jugendliche werden weiterhin mit den Trends gehen und stets die angesagteste Plattform nutzen. Teilen, entwerfen und mitteilen wird auf verschiedene Arten passieren, aber es wird auf jeden Fall passieren. Dank Dhanas Arbeit können wir zumindest verstehen, was Jugendliche mit Social Media verbinden und wie sie darin interagieren.