So diskutiert das Netz: Trends im Social Polit-Talk

So diskutiert das Netz: Trends im Social Polit-Talk

Jalda Otto
14 September 2017

Die Bundestagswahlen stehen kurz bevor und es werden die ersten Wahlen in Deutschland sein, die maßgeblich von Social Media beeinflusst werden. Mittlerweile hat allein Facebook über 30 Millionen aktive Nutzer in Deutschland. Das bietet den Politikern die Möglichkeit, ihre Wähler direkt und unkompliziert zu erreichen und Social Media als Meinungs- und Trendbarometer hinsichtlich des Wahlkampfes zu nutzen. Es wird somit zunehmend auch für deutsche Politiker wichtiger, nicht nur einen ansprechenden Internetauftritt zu pflegen, sondern auch Engagement in den Social Media zu generieren, Hashtag-Kampagnen zu fahren oder die eigenen Social Media Kanäle zu bespielen. Social Media ist also nicht mehr ’nur‘ für das Marketing von Unternehmen eine der wichtigsten Säulen im Marketing-Mix. Bestes Beispiel dafür sind die Wahlen 2016 in den USA. Das Wahlkampfteam um Donald Trump hat dabei Online-Marketing-Methoden genutzt, die so konsequent wohl noch nie in der Politik eingesetzt wurden. Dabei verwendeten sie drei Ebenen der digitalen Vermarktung: das Wissen über User-Verhalten, Filter zur Kategorisierung der Nutzer sowie zielgerichtete Werbemaßnahmen im Netz. So konnte das Team potentielle Wähler mit Hilfe von Facebook und Co zielgerichteter und auch emotionaler erreichen als mit den traditionellen Massenkampagnen. Dies bot die Möglichkeit, Nichtwähler zu mobilisieren und Unentschiedene von sich zu überzeugen.

Ein Social Media Post sagt mitunter mehr über Nutzerverhalten aus, als im ersten Moment offensichtlich wird. Die Menge an Posts, die heutzutage täglich generiert wird, kann im Marketing-Mix und eben auch im Wahlkampf dazu genutzt werden, die Zielgruppe zu analysieren, und besser zu verstehen, um diese dann mit der entsprechenden Botschaft oder Werbung anzusprechen. Um herauszufinden, was das Social Web und somit auch die potentiellen Wähler bewegt, können Social Media Monitoring Tools eingesetzt werden, welche die Teams bei der Analyse der Trends im Social Web unterstützen. Teilweise sind diese Prognosen aus Social Media sogar realistischer, als die konservativen Umfrageergebnisse, gutes Beispiel dafür war zum Beispiel eine Social Media Analyse zum Referendum des Brexit.

In der jetzigen heißen Phase des Wahlkampfs, veröffentlichen wir in regelmäßigen Abständen Analysen und Trends des Social Web zu Themen rund um die Bundestagswahlen. Beginnen möchten wir mit einem Vergleich der beiden Kanzlerkandidaten Martin Schulz und Angela Merkel. Dafür haben wir alle Social Media Posts in den letzten vier Wochen analysiert, in denen entweder Schulz oder Merkel in Verbindung mit politischen Schlüsselthemen genannt werden. Die daraus entstandene Infografik spiegelt ein Stimmungsbild der Social Media Landschaft zur Bundestagswahl 2017 wider.

Die Kanzlerkandidaten im Schnellcheck

 

Eindeutig zu sehen ist, dass Angela Merkel fast dreimal so häufig genannt wird. Außerdem wird auf Twitter am meisten über die Spitzenkandidaten diskutiert. Trotzdem sollten die anderen sozialen Netzwerke nicht außer Acht gelassen werden. Denn nur weil Nutzer auf Facebook nicht so aktiv über politische Themen diskutieren wie beispielsweise auf Twitter, bedeutet das noch lange nicht, dass über Facebook keine potentiellen Wähler erreicht werden können.

Das bewegt die User

 

In den Wahlprogrammen der beiden Spitzenkandidaten sind einige Kernthemen verankert. Die sechs wichtigsten, so eine Studie der ARD und infratest dimap) , sind dabei Arbeitsmarkt, Bildung, Flüchtlinge, Innere Sicherheit, Rente und Soziale Gerechtigkeit.  Für diese haben wir dann jeweils betrachtet, wie oft Schulz bzw. Merkel im Zusammenhang mit diesem Thema erwähnt werden. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass Merkel in fast allen Kategorien mehr Treffer erzielt, schließlich sind ihre allgemeinen Nennungen in Social Media fast dreimal so hoch wie die von Schulz. Umso interessanter, dass Schulz in dem Bereich Bildung führt. Das spiegelt sich auch in der Wahlkampfstrategie von Schulz wider, der versucht, besonders die junge Wähler zu mobilisieren.

 

 

Um  noch detailliertere Informationen zu erhalten, haben wir die Top 3 Themen der beiden Kanzlerkandidaten betrachtet und analysiert, welche weiteren Begriffe im Zusammenhang genannt werden. So kann man auch erkennen, welche Unterthemen das Social Web am meisten beschäftigen. Wenn die Begriffe Flüchtlinge und Schulz in einem Post vorkommen, fallen am häufigsten die Worte Migration, Integration, Asyl und Europa. Bei Posts mit den Begriffen Flüchtlinge und Merkel hingegen, wird besonders oft Asyl, Migration, Europa oder Terror erwähnt.

Politik ist ein sehr komplexes Thema. So kann man zum Beispiel anhand der Unterbegriffe bei dem Thema Flüchtlinge irrtümlicherweise darauf schließen, dass bei Posts im Zusammenhang mit Merkel häufig Flüchtlinge mit Terror in Verbindung gebracht werden. Wenn man dann jedoch die Posts im Detail betrachtet, wird schnell klar, dass es hier um Terror als Fluchtursache geht und nicht als Bedrohung durch Flüchtlinge.

#btw17

 

Zuletzt haben wir dann noch den offiziellen # der Bundestagswahlen #btw17 beobachtet, um herauszufinden welcher Kandidat häufiger im Zusammenhang mit #btw17 genannt wird und wie oft beide zusammen erwähnt werden. Es wird auch hier deutlich, dass Merkel weitaus öfter in Social Media genannt wird als Schulz.

Anm. d. Redaktion: Diese Infografik stellt keine Prognose für den kommenden Wahlkampf dar sondern zeigt die Trends aus dem Social Web.